Asian Games: Anush Agarwalla und Etro galoppieren zu Gold und Bronze

13.10.2023
Etro

Es war eine Sensation, die Anush Agarwalla und sein neunjähriger Escolar-Sohn Etro vor wenigen Tagen anlässlich der Asian Games im chinesischen Hangzhou hinlegten: Der erst 23 Jahre alte Dressurreiter gewann die Goldmedaille mit der indischen Equipe – und legte mit Einzel-Bronze gleich noch eins drauf.

„Es waren die besten zehn Tage meines Lebens“, sagt Agarwalla jetzt, nach der Rückkehr aus China. Und „Rückkehr“ bedeutet in diesem Fall: die Wiederkehr nach Ostwestfalen. Denn dort lebt der junge Dressurreiter seit nunmehr sechs Jahren und trainiert auf dem Fleyenhof unter den Fittichen von Hubertus Schmidt und dessen Team.

Mit gerade einmal 17 Jahren zog er nach Deutschland. „Ich ritt zwar schon, als ich erst vier Jahre alt war, aber das waren eher spaßige Ausritte auf Ponys.  Erst mit 16 wollte ich dann ernsthaft Dressurreiter werden, sah mir online die Übertragungen aus Aachen oder von den Olympischen Spielen an“, berichtet Anush Agarwalla. „Aber meiner Familie und mir war schnell klar, dass es, um solche Ziele zu erreichen, nicht sinnvoll wäre, in Indien zu bleiben. Hubertus Schmidt ist eine Dressurlegende. Dass er mich aufgenommen hat, hat alles verändert. All meine heutigen Erfolge wären ohne ihn, seine Familie und sein Team nicht möglich.“

Damals, vor sechs Jahren, sei er auf E-Niveau geritten, erinnert sich der Nachwuchsreiter; selbst das Aufsatteln habe ihm Probleme bereitet. Begonnen habe auf dem Fleyenhof dann zunächst alles mit Longenstunden. Seitdem arbeitete und trainierte er jeden Tag, nahm Unterricht, ritt bei jeder Gelegenheit. Dabei, so erinnert er sich, war Hubertus Schmidt stets sein bester Lehrmeister: „Von Anfang an hat er mich mit Respekt und Ruhe trainiert. Wie er selbst reitet und mich das Reiten lehrt, hat für mich Vorbildcharakter. Ich habe von ihm viel gelernt – nicht nur über die Dressur, sondern auch darüber, wie man als Mensch sein sollte: immer mit Ruhe und Respekt anderen gegenüber, immer fokussiert und hart arbeitend. Er hat mich dahin gebracht, wo ich nun bin.“

Und noch einer trug entscheidend zum Medaillentriumph in Hangzhou bei: der erst neunjährige Hengst Etro – ein gekörter Sohn des Stempelhengstes Escolar aus dessen erstem Fohlenjahrgang, gezüchtet von Leo Hermanns aus Aldenhoven. Im Viereck der Asian Games habe Etro ihm stets ein sicheres Gefühl gegeben, sagt Agarwalla. Dabei sei Etro selbst anlässlich der Reise nach China zum allerersten Mal geflogen und zum ersten Mal in einem so großen Stadion gestartet. „Das hat nur seinen starken Charakter gezeigt: Er hat vor nichts Angst, sondern liebt es, wenn die Menschen ihm zusehen. Dann fühlt es sich an, als würde er zeigen wollen, dass er das beste Pferd ist“, sagt der Reiter über Etro, in dessen Sattel er erst seit vergangenem Februar sitzt. „Egal, ob man mit ihm ausreiten geht oder ins Viereck reitet: Etro ist ein ganz besonderes Pferd, das immer seinen Job gut machen will.“

Innerhalb von sechs Jahren vom E-Niveau bis zur internationalen Championats-Goldmedaille: Anush Agarwallas Geschichte beweist, dass mit harter Arbeit alles möglich ist. „Die Asian Games waren für mich ein unvergesslicher Moment“, sagt er selbst. „Indien hat noch nie eine Medaille in der Dressur gewonnen. Nun standen wir ganz oben auf dem Treppchen, und das, obwohl wir eine ganz junge Mannschaft gestellt haben. Das war, als hätten nicht wir gesiegt – sondern ganz Indien. Die ganze Nation ist förmlich explodiert, als das passierte.“ Etliche Menschen hätten ihm geschrieben, ihn angerufen und sich mit ihm gefreut, berichtet er. „Genau das sind die Momente, für die wie als Athleten unser ganzes Leben arbeiten. In solchen Momenten lohnt sich all die Arbeit.“